Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) in Zusammenarbeit mit der GESKES, der AKE, der DGN und der DGG
Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) in Zusammenarbeit mit der GESKES, der AKE, der DGN und der DGG
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Original abstract
Fragestellung: Neurologische Erkrankungen konnen zu Schluckstorungen mit konsekutiver Aspiration fuhren und gehen mit einem erhohten Risiko fur Mangelernahrung einher. Die vorliegende Leitlinie soll evidenzbasierte Empfehlungen zur klinischen Ernahrung in der Neurologie geben. Der akute Schlaganfall, der Morbus Parkinson, die Chorea Huntington und die Multiple Sklerose wurden als neurologische Erkrankungen ausgewahlt, da hier die Ernahrung eine besondere Rolle spielt. Methodik: Es wurde eine systematische Literaturrecherche zur Ernahrung bei den genannten Krankheitsbildern durchgefuhrt. Die Ergebnisse wurden in einer interdisziplinaren Arbeitsgruppe aus Neurologen und Ernahrungsmedizinern diskutiert. Auf dieser Basis wurden von der Arbeitsgruppe Empfehlungen erarbeitet, die auf der Konsensuskonferenz am 14. September 2011 vorgestellt, diskutiert und z. T. modifiziert wurden. Die modifizierten Empfehlungen wurden am 16. Juni 2012 auf einer 2. Konsensuskonferenz verabschiedet. Ergebnisse: Die Leitlinie enthalt 75 Empfehlungen zur Ernahrung von Patienten mit neurologischen Erkrankungen. Bei Erkrankungen, die zu einer Dysphagie fuhren, sollten zeitnah ein Screening und ein Assessment auf Dysphagie erfolgen. Ausgehend von den erhobenen Befunden ist die Ernahrung entsprechend zu modifizieren. Dies reicht von Texturmodifikationen uber Sondenernahrung bis zur Notwendigkeit einer parenteralen Ernahrung. Patienten mit Morbus Parkinson und Chorea Huntington haben bereits in fruhen Krankheitsstadien ein erhohtes Risiko fur Mangelernahrung. Um diese zu vermeiden, werden auch hier ein regelmasiges Screening, Assessment und bei Bedarf entsprechende ernahrungsmedizinische Interventionen empfohlen. Bei der Einnahme von L-Dopa-haltigen Medikamenten ist auf die Interaktion mit eiweishaltiger Nahrung zu achten. Bei Multipler Sklerose liegt fur den Einsatz von „Spezialdiaten“ oder Nahrungssupplementen keine ausreichende wissenschaftliche Evidenz vor, sie werden deshalb generell nicht empfohlen. Schlussfolgerung: Durch ein fruhzeitiges Screening und Assessment auf Dysphagie und auf Mangelernahrung kann die Ernahrung von Patienten mit neurologischen Erkrankungen optimiert werden. Die Texturmodifikation von Speisen und Getranken, Trinknahrung, Ernahrung uber nasogastrale Sonden, uber PEG-Sonden, PEJ-Sonden und parenterale Ernahrung stellen mogliche ernahrungsmedizinische Interventionen dar. Samtliche Interventionen sollten bei entsprechender Indikation fruhzeitig eingeleitet werden.