Vergleich der Effekte von Gleichgewichts- und Krafttraining auf die posturale Kontrolle bei Patient:innen mit idiopathischem Morbus Parkinson
Vergleich der Effekte von Gleichgewichts- und Krafttraining auf die posturale Kontrolle bei Patient:innen mit idiopathischem Morbus Parkinson
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Original abstract
Hintergrund: Idiopathischer Morbus Parkinson ist die zweithäufigste neurodegenerative Erkran-kung des zentralen Nervensystems und betrifft weltweit Millionen Menschen. Die Erkrankung führt zu progredienten motorischen und nicht-motorischen Symptomen, wobei insbesondere die posturale Instabilität eine zentrale Rolle spielt. Sie trägt maßgeblich zur erhöhten Sturzgefahr und zur Einschränkung der Lebensqualität bei. Während medikamentöse Therapien wie Levodopa die motorischen Hauptsympto-me verbessern können, zeigen sie nur eine geringe Wirkung auf die posturale Kon-trolle. Daher gewinnen nicht-pharmakologische Interventionen, insbesondere physi-otherapeutische Trainingsansätze wie Gleichgewichtstraining und Krafttraining, zu-nehmend an Bedeutung. Trotz zahlreicher Studien bleibt unklar, welche dieser Trai-ningsformen einen überlegenen Effekt auf die posturale Kontrolle bei Patient:innen mit idiopathischen Morbus Parkinson erzielt.Fragestellung: Ziel dieser Arbeit ist es, im Rahmen einer strukturierten Literaturrecherche zu analy-sieren, ob Gleichgewichtstraining oder Krafttraining eine stärkere Wirkung auf die posturale Kontrolle bei Patient:innen mit idiopathischen Morbus Parkinson zeigt und welche Implikationen sich daraus für die physiotherapeutische Praxis ableiten lassen.Ergebnisse: Insgesamt wurden sieben Randomized Controlled Trials in die Analyse einbezogen. Sowohl Gleichgewichts- als auch Krafttraining zeigten in den analysierten Studien signifikante Effekte auf verschiedene Aspekte der posturalen Kontrolle. Gleichge-wichtstraining führte unter anderem zu Verbesserungen in dynamischen und reakti-ven Gleichgewichtsreaktionen, erhöhter Stabilität bei Doppelaufgaben sowie einer signifikanten Reduktion der Sturzfrequenz. In Studien mit vestibulär-fokussierten Trainingsansätzen konnten zudem relevante Fortschritte in der sensorischen In-tegration und der Fähigkeit zur posturalen Anpassung unter erschwerten Bedingun-gen erzielt werden.Krafttraining wirkte sich positiv auf Muskelkraft, funktionelle Mobilität und Gangstabilität aus. Besonders bei funktionellem oder gerätegestütztem Training konnten signifikante Fortschritte bei Gehstrecke, Schrittlänge und Bewegungsge-schwindigkeit festgestellt werden. Zudem zeigten sich Verbesserungen in der subjek-tiv empfundenen Fatigue und Lebensqualität.Studien mit kombinierten Trainingsansätzen, in denen sowohl Kraft- als auch Gleichgewichtsübungen integriert wurden, zeigten tendenziell die umfassendsten Resultate: Diese umfassten Verbesserungen sowohl der reaktiven als auch der anti-zipatorischen Haltungskontrolle, der Muskelkraft sowie der Mobilität und psycholo-gischen Variablen.Conclusio: Beide Trainingsformen besitzen spezifische Stärken. Eine kombinierte Anwendung von Gleichgewichts- und Krafttraining scheint das größte Potenzial zu bieten, um alltagsrelevante Stabilität und Lebensqualität bei Parkinson-Patient:innen nachhal-tig zu verbessern. Für die klinische Praxis sind weitere Studien notwendig, um stan-dardisierte, evidenzbasierte Trainingsprotokolle zu etablieren. Background: Idiopathic Parkinson’s disease is the second most common neurodegenerative dis-order of the central nervous system, affecting millions of people worldwide. The disease leads to progressive motor and non-motor symptoms, with postural insta-bility playing a particularly critical role. This instability significantly contributes to an increased risk of falls and reduced quality of life. While pharmacological treatments such as Levodopa are effective in alleviating primary motor symptoms, they show limited efficacy in improving postural control. As a result, non-pharmacological in-terventions-particularly physiotherapeutic approaches such as balance training and strength training-are gaining increasing relevance. Despite numerous studies, it re-mains unclear which of these training methods exerts a superior effect on postural control in individuals with idiopathic Parkinson’s disease.Objectives: This thesis aims to determine, through a structured literature review, whether bal-ance training or strength training has a greater impact on improving postural control in patients with idiopathic Parkinson’s disease and to explore the implications for physiotherapeutic practice.Results: Seven randomized controlled trials were included in the analysis. Both balance and strength training demonstrated significant effects on various aspects of postural control. Balance training led to notable improvements in dynamic and reactive bal-ance responses, enhanced dual-task stability, and a significant reduction in fall fre-quency. Studies focusing on vestibular-oriented training approaches also reported meaningful progress in sensory integration and adaptive postural responses under challenging conditions.Strength training showed positive effects on muscle strength, functional mobility, and gait stability. Particularly in functional or machine-based strength programs, improvements were observed in walking distance, stride length, and gait velocity. Additionally, reductions in perceived fatigue and enhancements in quality of life were reported.Studies that combined balance and strength training tended to show the most com-prehensive outcomes, including improvements in both reactive and anticipatory postural control, muscle strength, mobility, and psychological factors.Conclusion: Both training modalities exhibit distinct strengths. A combined approach integrating balance and strength training appears to offer the greatest potential for sustainably improving functional stability and quality of life in individuals with idiopathic Par-kinson’s disease. Further studies are required to define standardized, evidence-based training protocols for clinical practice.