Beitrag zur Psychosomatik ?extrapyramidaler? Motilit�tsst�rungen
Beitrag zur Psychosomatik ?extrapyramidaler? Motilit�tsst�rungen
A plain-language reading has not been prepared for this paper yet.
Original abstract
1. Wir bemuhten uns, psychische Gesetzmasigkeiten, insbesondere des Antriebes, bei den Choreatikern und Parkinson-Kranken experimentell herauszustellen, die wir nicht nur als psychische Reaktionen auf die Krankheit auffasten, sondern im wesentlichen als Ausdruck eines psychophysischen Zusammenwirkens (das Psychische nur als eine Seite der in diesen Bereichen untrennbaren Leib-Seele-Einheit). 2. Experimentell ergibt sich bei den Choreatikern durchgehend das Bild erheblich gestorter Antriebsverlaufe, wobei der Ton mehr auf der Regulierungsstorung als auf einer quantitativen Veranderung des allgemeinen Antriebes liegt. Es fallt auf, das im Gegensatz zu den Parkinson-Patienten eine corticale Kompensierung selbst bei offensichtlichem Leistungswillen nicht stattfindet. Es liegt also nahe, anzunehmen, das mit der verminderten striaren Hemmung eine corticale Hemmungsstorung verbunden ist, wie neuerdings auch von neurophysiologischer Seite (Wilson, Fulton) angenommen wird. 3. Demgegenuber zeigen sich bei Parkinson-Kranken neben den typischen Antriebsstorungen (weniger in Form von labilen Schwankungen als vielmehr von Antriebserlahmung oder phasenhaften Antriebssperrungen) deutliche corticale Kompensierungstendenzen (z. B. zunehmende Leistungssteigerung im Rechentest und im Buchstabendurchstreichtest), so das im ganzen gesehen das Leistungsverhalten des Parkinson-Kranken weniger von der Norm abweicht als das des Choreatikers. Daneben gibt es allerdings auch Krankheitsbilder und Leistungsverlaufe, bei denen die Antriebsstorung vollig im Vordergrund steht, d.h. nicht mehr cortical kompensiert wird. Wir fanden dies bei fortgeschrittener Erkrankung und bei Patienten mit konstitutionell geringen corticalen Kompensationsmoglichkeiten (primitive Personlichkeit, Debile).-Insgesamt wird deutlich, das der Parkinson-Kranke seiner striaren Antriebsstorung bewust gegenubersteht (im Gegensatz zur frontalen Antriebsstorung, vgl. Jaspers). 4. In Abweichung zu Pophal vertreten wir die Auffassung, das die graphischen Merkmale bei Parkinson und Chorea nicht ohne weiteres und vor allem ausschlieslich aus dem Pallidum- bzw. Parkinson-Syndrom „abgelesen“ werden konnen, da, neurophysiologisch gesprochen, auserhalb des Kleinkindesalters die Funktion der Stammganglien der Hirnrindenfunktion weitgehend untrennbar unter- und beigeordnet sind. Psychologisch formuliert wollen wir sagen, das unseres Erachtens die ausgereifte Personlichkeit im Normalfall (mit eventueller Ausnahme von besonders in dieser Hinsicht charakteristischen Personlichkeiten mit Pallidumschrift [z. B. Napoleon] einerseits und Hirnrinden-Striatum-Schrift andererseits) die psychischen Punktionen besonderer Hirnzentren nicht mehr deutbar durchschimmern last. — Von hier aus ergeben sich Probleme bzw. Schwierigkeiten der bewegungs-physiologischen Graphologie, soweit sie sich auf Symptomenkomplexe isolierter Hirnfunktionen stutzt, uber unser Spezialproblem hinaus. 5. Unsere Leistungsprufungen und psychomotorischen Untersuchungen unterstutzen die Auffassung der Antriebsregulations-Funktion des Stammhirns, zeigen allerdings gleichzeitig die Problematik einer isolierten Betrachtung ohne Berucksichtigung der Gesamtpersonlichkeit.