Einleitung: Gang und Gangstörungen
Einleitung: Gang und Gangstörungen
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Original abstract
Sprache und Gang sind charakteristische Ausdrucksformen menschlicher Hirnleistung, beide unterliegen erheblichen Veranderungen von der Kindheit bis ins hohe Lebensalter. Wahrend sich Physiologen und Arzte, Psychologen und Biologen schon seit Jahrhunderten mit Sprache und Sprachstorungen be-schaftigen, werden Beschreibungen uber Gang und Gangstorungen erst im 19. Jahrhundert bekannt. Romberg (1853), Gowers (1888) und Charcot haben Gleichgewichtsstorungen und Gangveranderungen bei Patienten mit Tabes dorsalis als spinale Ataxieform im Unterschied zur zerebellaren Ataxie aufgrund ihrer Beobachtung beschrieben (Schiller 1995). Auch Gangstorungen bei der Parkinson-Erkrankung wurden schon vor uber 150 Jahren beschrieben (Parkinson 1817), als die zugrunde liegenden Mechanismen kaum bekannt waren. Astasie und Abasie bei frontalen Lasionen wurden gegen ataktische Stand- und Gangstorungen um die Jahrhundertwende differenziert (Bruns 1892; Petren 1901) und frontale Gangstorungen als apraktische Symptome in der ersten Halfte unseres Jahrhunderts von Meyer u. Barron (1960), Denny-Brown (1958) und Critchley (1929) gegenuber „senilen Gangveranderungen“ terminologisch abgegrenzt. Alle diese Falldarstellungen und sorgfaltigen Beschreibungen bauen auf Einzelkasuistiken auf, in ihrer Klassifizierung uberlappen sich Begriffe und inhaltliche Zuordnungen zu vermuteten strukturellen Schadigungen je nach Kenntnisstand der Zeit, aus der sie stammen.