Telemedizin beim idiopathischen Parkinson-Syndrom: Evaluation einer videobasierten Bewegungsanalyse in der Klinik und im häuslichen Umfeld im Vergleich zur etablierten klinischen Untersuchung
Telemedizin beim idiopathischen Parkinson-Syndrom: Evaluation einer videobasierten Bewegungsanalyse in der Klinik und im häuslichen Umfeld im Vergleich zur etablierten klinischen Untersuchung
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Original abstract
Hintergrund: Telemedizinische Technologien erhalten in der klinischen Anwendung einen immer höheren Stellenwert. Sie bieten mithilfe von Bewegungssensoren oder Videosystemen die Möglichkeit, Patienten eine zeit- und ortsunabhängige Behandlung und Diagnostik zukommen zu lassen. Besonders Betroffene mit idiopathischem Parkinson Syndrom (IPS) können davon profitieren, da auf diese Weise ihre motorischen Symptome objektiv erfasst und Krankheitsereignisse zwischen den regulären Arztbesuchen aufgenommen werden können. Mit Hilfe dieser Aufzeichnungen können Tele-Assistenten oder Ärzte die Symptome bewerten und auf dieser Basis beispielsweise die Therapie anpassen. Allerdings wurde noch nicht getestet, ob ein telemedizinisches Videoanalyse-System in der praktischen Anwendung mit Parkinsonpatienten eingesetzt werden kann. Ziele: Ziel dieser Studie war es, ein Videoanalyse-System für Patienten mit IPS zu evaluieren. Hierfür wurde mit einer Patientenkohorte untersucht, ob technische Machbarkeit und Durchführbarkeit im klinischen Umfeld gegeben sind. Des Weiteren wurde die Akzeptanz im häuslichen Umfeld der Patienten überprüft und im Anschluss die Bewertungen der Ärzte in der persönlichen Untersuchung mit der Bewertung der Videos verglichen. Methoden: Am klinischen Teil der Studie nahmen 20 Patienten mit diagnostiziertem IPS teil. Das Videosystem leitete mit akustischen und visuellen Anweisungen Bewegungstests - angelehnt an die Unified Parkinson Disease Rating Scale - an, welche die Studienteilnehmer ausführen sollten. Um die Durchführbarkeit zu evaluieren, füllten Patienten und Untersucher einen Fragebogen zum Ablauf der Videoanalyse aus. Die Testung des Systems im häuslichen Umfeld folgte mit drei Patienten mit IPS. Die Teilnehmer testeten das Videosystem für zwei Wochen bei sich zu Hause und sollten dreimal täglich die standardisierten Bewegungstest absolvieren. Auch hier wurde die Durchführbarkeit mit einem Fragebogen evaluiert. Im letzten Teil der Studie bewerteten Neurologen die Patientenvideos, um feststellen zu können, ob sie die Symptome der Betroffenen im Video ähnlich einschätzen wie in der persönlich durchgeführten Untersuchung. Ergebnisse und Beobachtungen: Sowohl im klinischen als auch im häuslichen Umfeld bestätigten die Studienteilnehmer eine gute technische Handhabung und eine insgesamt positive Bewertung des Videosystems. Die Untersucher stellten jedoch zeitweise Schwierigkeiten bei der korrekten Ausführung der Tests fest. Die Ärzte bewerteten die Patienten in den Videos durchschnittlich als schwerer betroffen und vergaben mehr Punkte auf der Video-Bewertungsskala (VBS). Die Abweichungen in der Punktevergabe fokussierten sich jedoch auf die Bewegungstests der oberen Extremität und das Aufstehen. Diese Differenzen konnten mit zusätzlichen Anweisungen durch einen Untersucher verringert werden. Grundsätzlich war ein statistischer Zusammenhang zwischen der Videobewertung und der persönlichen Bewertung zu erkennen. Schlussfolgerungen und Diskussion: Aufgrund einer problemlosen technischen Bedienung des Videosystems und der überwiegend positiven Bewertungen durch die Studienteilnehmer kann das Videosystem bei Patienten mit IPS eingesetzt werden. Mit dieser telemedizinischen Anwendung lassen sich motorische Symptome über einen längeren Zeitraum objektiv darstellen und auch Schwankungen im Tagesverlauf aufzeichnen. Die Patienten erhalten so eine umfassendere Verlaufsbeurteilung im gewohnten häuslichen Umfeld mit geringem Zeitaufwand, aufgrund fehlender Anfahrts- und Wartezeiten beim Arzt. Damit die Tests ähnlich wie bei der Untersuchung durch einen Neurologen ausgeführt werden, benötigt das System teilweise noch präzisere Anleitungen für die Bewegungstests. Da der Schweregrad der Krankheit jedoch über das Video gut eingeschätzt werden kann, bietet das System dem interdisziplinären Behandlungsteam der Patienten eine Möglichkeit zur fundierten Unterstützung der Verlaufsbeobachtung und Therapieentscheidung. Telemedizinische Untersuchungen müssen für zukünftige Zwecke weiterentwickelt werden, bieten dann aber das Potential als Ergänzung zur persönlichen Vorstellung beim Arzt eingesetzt zu werden und eine patientenzentrierte Versorgung in den Vordergrund zu rücken. Background: Telemedicine is becoming increasingly important in clinical applications. Via motion sensors or video systems, it offers the possibility to provide treatment and diagnostics to patients independent of time and location. Particularly patients with idiopathic Parkinson's Disease (IPD) may benefit from telemedicine, as their motor symptoms are objectively recordable, and disease events between their regular visits at the neurologist can be documented. With the help of these recordings, tele-assistants or doctors may evaluate the disease symptoms. Further, this information is useful for monitoring and therapy adjustment. However, a telemedical video analysis system in practical application with IPD patients has not been tested yet. Objectives: The aim of this study was to evaluate a video analysis system for patients with IPD. For this purpose, a cohort of patients was examined to assess whether technical feasibility and practicability in the clinical environment are given. Furthermore, the acceptance in the home environment of the patients was investigated. Afterwards, the physicians' evaluations in the face-to-face examination were compared with the evaluation of the video recordings. Design and Methods: 20 patients diagnosed with IPD participated in the clinical part of the study. The video system provided acoustic and visual instructions to the study patients to perform movement tests - like the Unified Parkinson Disease Rating Scale (UPDRS). In order to evaluate the feasibility of the video analysis, a questionnaire was filled out by patients and investigators. The testing of the system in the home environment was completed by three patients with IPD. The participants were asked to test the video system at home for two weeks and to perform the standardized movement tests three times a day. Here, the feasibility was evaluated using a questionnaire as well. In the final part of the study, neurologists assessed the patient videos to examine whether they evaluate the video recordings in the same way as they evaluate the patients sitting in front of them. Observations and Results: In both clinical and home environments, the participants showed good technical practicability and an overall positive evaluation of the video system. Nevertheless, the investigators noticed temporary difficulties in the correct execution of some tests. On average, the physicians rated the patients motor symptoms in the video recordings as more severely affected by the disease which resulted in a higher score on the evaluation scale. However, the differences in scoring are focused on upper limb movements and arise from chair. A statistical correlation was between the video rating and the personal rating was observed. Conclusions: Due to a problem-free technical operation of the video system and the mainly positive evaluations by the study participants, the video system may be used in patients with IPD. With this telemedical application, motor symptoms are displayed objectively over a longer period of time and even fluctuations during the day can be recorded. Patients receive an extended diagnosis in their familiar environment with less expenditure of time. For a test-performance more similar to the neurologist's examination, the system would sometimes need even more precise instructions for the movement test. However, since the severity of the disease was estimated well via video, the system offers the patients' interdisciplinary treatment team an opportunity for a reliable support in monitoring and therapy decision-making. As telemedical examinations need to be further developed for future purposes, they have the potential to be used as an additional approach to face-to-face medical appointments and provide a focus for patient-centred care.