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Morbus Parkinson in der vertragsärztlichen Versorgung – Regionale Unterschiede der Diagnoseprävalenz und Komorbiditätsanalysen anhand bundesweiter Abrechnungsdaten im Zeitraum 2010 bis 2019

Morbus Parkinson in der vertragsärztlichen Versorgung – Regionale Unterschiede der Diagnoseprävalenz und Komorbiditätsanalysen anhand bundesweiter Abrechnungsdaten im Zeitraum 2010 bis 2019

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Hintergrund: Morbus Parkinson (M. Parkinson) ist die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung nach der Alzheimer-Erkrankung, die stark mit dem Alter assoziiert ist. Im Hinblick auf die demografische Alterung in Deutschland wird ein weiterer Anstieg der Patientenzahlen mit M. Parkinson erwartet. Ziel der aktuellen Studie war es, anhand ambulanter vertragsärztlicher Abrechnungsdaten die Entwicklung der Fallzahlen und die Diagnoseprävalenz des M. Parkinson über den Zeitraum von 2010 bis 2019 zu bestimmen. Methodik: Grundlage für die statistische Analyse waren die bundesweiten vertragsärztlichen Abrechnungsdaten gemäß § 295 des Fünften Sozialgesetzbuches (SGB V) aus den Jahren 2010 bis 2019. Als Patientenpopulation wurden alle Patienten berücksichtigt, bei denen in mindestens zwei Quartalen eines Kalenderjahres M. Parkinson mit dem Zusatz „gesichert“ diagnostiziert wurde (sogenanntes M2Q-Kriterium). Die Prävalenzentwicklung wurde kleinräumig auf Kreisebene analysiert, um einen regional bestehenden besonderen Versorgungsbedarf identifizieren zu können. Darüber hinaus wurden die Versorgungsanteile der relevanten beteiligten Facharztgruppen bzw. der ambulanten Versorgungseinrichtungstypen untersucht, um mögliche Veränderungen der interdisziplinären Versorgungslage und -erfordernisse im Zeitverlauf nachzuvollziehen. Für Patienten mit einer gesicherten Diagnose von M. Parkinson im Jahr 2019 wurde eine explorative Analyse des Komorbiditätsspektrums anhand eines Vergleichs mit einer nach Alter, Geschlecht und Region gematchten Kontrollgruppe ohne M. Parkinson durchgeführt. Als Kennzahl für die Ermittlung von Gruppenunterschieden wurde die Prävalenz-Ratio bestimmt. Ergebnisse: Die vorliegenden Auswertungen zeigen trotz der fortschreitenden Alterung in Deutschland seit dem Jahr 2015 einen leicht sinkenden Trend sowohl der absoluten Fallzahlen als auch der rohen und der standardisierten Prävalenz auf Bundesebene. So waren im Jahr 2019 14.235 Patienten weniger von M. Parkinson betroffen als noch im Jahr 2016 (2016: 392.478, 2019: 378.243). Der Rückgang der Parkinson-Prävalenz war insbesondere durch die abnehmende Anzahl weiblicher Betroffener bedingt. Sowohl die rohe als auch die alters- und geschlechtsstandardisierte Prävalenz wiesen ein Ost-West-Gefälle auf, wobei die Erkrankungslast in Ostdeutschland und im Saarland besonders hoch ausfiel. Auf Kreisebene lag die Prävalenz in ländlichen Kreisen höher ist als in städtischen. Mehr als 95 % der Patienten mit M. Parkinson wurden über den gesamten Untersuchungszeitraum hausärztlich, 60 % von Fachärzten der Nervenheilkunde oder der Neurologie versorgt. Die Inanspruchnahme der Fachgruppen Neurologie und Nervenheilkunde sowie labormedizineischer Leistungen sind im Zeitverlauf gestiegen. 18 der 20 häufigsten Diagnosegruppen traten vermehrt bei Parkinson-Patienten verglichen mit der Kontrollgruppe auf. Die an der Prävalenz gemessen häufigsten Komorbiditäten in der Gruppe der Parkinson-Patienten waren Hypertonie (Parkinson: 76 %, Kontrollgruppe: 73 %) und Stoffwechselstörungen (Parkinson: 55 %; Kontrollgruppe: 54 %). Die Wahrscheinlichkeit für Parkinson-Patienten, eine Diagnose aus den Diagnosegruppen symptomatischer psychischer Störungen (F00–F09) oder sonstiger degenerativer Krankheiten des Nervensystems (G30–G32) zu erhalten, lag dreimal höher als bei Patienten der Kontrollgruppe. Schlussfolgerung: Prävalenzunterschiede finden sich vor allem zwischen ländlichen und städtischen Regionen mit höherer Erkrankungslast im ländlichen Raum. Die Auswertungen der Komorbiditäten verdeutlichen die große Morbiditätslast durch eine Vielzahl insbesondere alterstypischer Erkrankungen, die mit M. Parkinson korreliert sind. Dies unterstreicht die Komplexität der Versorgung und die Bedeutung fachübergreifender Ansätze. Die Erklärung des Prävalenz-Rückgangs insbesondere bei Frauen bedarf weiterführender Forschung.

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