Stand- und Ganganalyse bei Schwindel
Stand- und Ganganalyse bei Schwindel
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Original abstract
Bei etwa 1/3 der Patienten mit dem Leitsymptom Schwindel steht die Stand- und Gangunsicherheit dauerhaft im Vordergrund der Beschwerden. Dies betrifft insbesondere Patienten mit sensorischen Defiziten (vestibular, somatosensorisch, visuell), neurodegenerativen Erkrankungen (zerebellare Ataxie, Parkinson-Syndrome) und funktionellen Storungen (somatoformer und phobischer Schwindel). Zur Diagnosestellung ist eine strukturierte Erfassung der Defizite eine wichtige Voraussetzung. Dazu gehoren im Bereich des Stehens und Gehens die Testung unter verschiedenen Bedingungen, also mit offenen und geschlossenen Augen, im Tandemstand, beim Gehen mit verschiedenen Geschwindigkeiten, beim Stehen und Gehen wahrend eines kognitiven Dual task. Die qualitative Beurteilung kann sehr gut anhand der geschulten klinischen Beobachtung erfolgen, die durch etablierte Tests und Scores erganzt wird (z. B. Timed-up-and-go Test). Apparative Methoden dienen vor allem (1) der Unterstutzung der differentialdiagnostischen Einordnung mit Erfassung von Parametern, die der klinischen Beobachtung entgehen (z. B. 14 Hz Schwanken beim orthostatischen Tremor), (2) der Abschatzung des Sturzrisikos durch Quantifizierung relevanter Parameter (z. B. Schritt-zu-Schritt Variabilitat) und (3) der Verlaufsbeurteilung mit oder ohne Intervention (z. B. Ganggeschwindigkeit und –variabilitat nach Liquorablassversuch bei Normaldruckhydrozephalus). Die Methoden zur apparativen Testung entwickeln sich aktuell sehr dynamisch. Die fur Schwindelpatienten wichtigsten Methoden sind die Stabilometrie/Posturografie mit Kraftmessplatten fur die Erfassung der Korperschwankungen, Sensorteppiche fur die Erfassung raumlicher und zeitlicher Schrittparameter und tragbare Sensoren fur die Erfassung der Mobilitat und Sturzfrequenz auserhalb der Klinik im Alltag. Ohne klinische Einordnung basierend auf Anamnese und klinischer Untersuchung haben die apparativen Zusatzuntersuchungen allerdings keinen Wert. Sie liefern aber – gezielt eingesetzt – sehr wertvolle Informationen uber die individuellen Einschrankungen und konnen damit die Diagnostik und Therapieentscheidungen unterstutzen.