Habituation an Düfte in Abhängigkeit vom Lebensalter
Habituation an Düfte in Abhängigkeit vom Lebensalter
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Original abstract
Zusammenfassung Hintergrund: Im Alter kommt es zu einer Abnahme der Riechfunktion, was die Lebensqualität und Sicherheit älterer Menschen beeinträchtigen kann. Ziel der Studie war es, bei ProbandInnen mit normosmaler Riechfunktion die olfaktorische Habituation nach Duftexposition mit Phenylethylalkohol (PEA) zu untersuchen, um altersbedingte Unterschiede in der Geruchswahrnehmung zu erfassen. Die primäre Hypothese lautete, dass die PEA-Exposition bei älteren ProbandInnen eine stärkere Habituation im Sinne einer Reduktion der Geruchsschwelle bewirkt als bei jüngeren. Zusätzlich wurden Zusammenhänge zwischen subjektiver Intensität, Hedonik, nasalem Atemfluss sowie lateralisierter Geruchswahrnehmung untersucht. Methodik: Die Studie wurde mit 80 normosmischen Testpersonen durchgeführt, aufgeteilt in zwei Alterskohorten: 18–35 Jahre (n = 40) und >55 Jahre (n = 40). Nach einer standardisierten Eingangsmessung (t0), die die Riechschwelle, Identifikation, Intensitäts- und Hedonikbewertung sowie die nasale Durchgängigkeit erfasste, erfolgte eine 10-minütige PEA-Exposition mittels Nasenclip (t1), nach der die olfaktorische Testung erneut durchgeführt wurde. Mindestens 24 Stunden später schloss sich eine 2- bis 4-stündige PEA-Exposition (t2) an, nach der eine weitere Wiederholung der zuvor erhobenen Messparameter stattfand. Die olfaktorischen Messungen erfolgten seitengetrennt mithilfe von Sniffin’ Sticks. Neben der Riechschwelle wurden die Intensitäts- und Hedonikbewertung dreier Düfte (PEA, Ananas, Kaffee) über visuelle Analogskalen zum Thema Kreuzadaptation erfasst. Die nasale Atemleistung wurde mit einem Peak Nasal Inspiratory Flow-Gerät gemessen. Ergebnisse: Die Geruchsschwelle für PEA sank signifikant nach der Langzeitexposition in beiden Altersgruppen (t2), dabei fiel eine stärkere Reduktion der Riechschwelle in der älteren Versuchsgruppe auf, was eine intensivere Habituation im Alter nahelegt. Dies unterstützte die primäre Hypothese. Eine signifikante Kreuzadaptation für Ananas- oder Kaffeeduft nach PEA-Exposition konnte hingegen nicht festgestellt werden. Ebenso zeigten sich seitendifferenzierte Effekte: Auf der Interventionsseite war die Adaptation deutlich ausgeprägter als auf der Kontrollseite – dies spricht für einen dominanten peripheren Anteil der Habituation. Fazit: Die Dissertation liefert fundierte Erkenntnisse zur altersabhängigen olfaktorischen Habituation und zeigt, dass ältere Personen schneller an Düfte habituieren. Die unilaterale Duftexposition verdeutlicht, zentrale Prozesse beeinflussen zu können. Das Ausbleiben kreuzadaptiver Prozesse in der vorliegenden Studie unterstreicht unser begrenztes Verständnis dieses Phänomens und die Notwendigkeit weiterer Untersuchungen. Der diagnostische Einsatz der Riechfunktionsmessung könnte zudem wertvolle Hinweise auf frühe Anzeichen neurodegenerativer Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson geben.:Abbildungsverzeichnis 5 I. Einleitung 6 Der Geruchssinn: Ein unterschätzter Sinn im Ensemble der Wahrnehmung 6 Struktur und Funktion: Einblick in die Nasenanatomie 7 Physiologie des Riechepithels 8 Von der Nase zum Gehirn: Neuronale Pfade der Geruchswahrnehmung 10 Aktionspotentialbildung und Weiterleitung 10 Histologische Architektur des Bulbus olfactorius 11 Zentrale Verarbeitungswege des olfaktorischen Systems 12 Verbindungen mit anderen Hirnarealen 13 Von der Geruchsschwelle zur Adaptation: olfaktorische Wahrnehmung 14 Geruchsschwelle 14 Lateralisation 14 Dynamik der olfaktorischen Wahrnehmung: Gewöhnung 16 Altersbedingte Veränderungen in der Geruchswahrnehmung und Adaptationsgeschwindigkeit 18 II. Studienhintergrund, Ziele und Hypothesen 20 III. ProbandInnen, Methodik und Materialien 22 Ethik und Datenschutz 22 Rekrutierung und Auswahl der Testgruppen 22 Studienablauf und Methodik 23 Olfaktorische Testung mittels Riechstiften („Sniffin‘ Sticks“) 25 Erfassung des nasalen inspiratorischen Atemflussrate mittels PNIF 29 Subjektive Bewertung der olfaktorischen Reize mittels visueller Analogskala 30 Phenylethylalkohol-Nasenclip (PEA-Nasenclip) 30 Statistische Methodik 32 IV. Ergebnisse 33 Demographische Beschreibung der ProbandInnen 33 Geruchsidentifizierung 33 Adaptation der Riechschwelle – Ausgangszustand und Änderung durch Phenylethylalkohol-Exposition 34 Wahrgenommene Geruchsintensität 36 Hedonische Bewertung von Geruchsreizen 38 Nasale Durchgängigkeit 40 Bedeutung des nasalen Atemflussrate und weiterer Parameter im Zusammenhang der Geruchswahrnehmung – Korrelationsanalysen 41 V. Diskussion 44 V.I. Diskussion 44 Altersunabhängige Geruchsidentifikation – klinische und demographische Relevanz 45 Veränderung der olfaktorischen Sensitivität 46 Anpassung der Geruchsschwelle bei kurz- und langfristiger Duftexposition 46 Bilaterale Effekte unilateraler Duftexposition: zentrale und periphere Prozesse 47 Dynamik der Duftbewertung: Intensität und Hedonik 49 Kreuzadaptation 51 Einfluss des Alters auf olfaktorische Adaptationsprozesse 53 Atemfunktionsparameter 56 Studiendesign und Methodenkritik 58 Duftstoffwahl 59 Bedeutung sozioökonomischer Aspekte der ProbandInnenauswahl 60 Bedeutung soziokultureller Aspekte der ProbandInnenauswahl 61 Bewertung der Stichprobengröße 61 Bedeutung der Geschlechterverteilung 62 Bedeutung der Geruchswahrnehmung 63 Fazit und Ausblick 65 VI. Zusammenfassung 66 VII. Summary 67 VIII. Literaturverzeichnis 68 IX. Anhang 80 IX.I Anamnesebogen 80 IX.II Analogskala der Intensität und Hedonik 82 IX.III Dokumentationsbogen Riechtest 83 IX.IV Signifikanztabellen 84 I. PNIF-Atemvolumen 86 II. Identifikationstests 89 III. Geruchsschwelle 90 IV. Intensität 92 V. Hedonik 99 VI. Korrelationsanalysen 105 X. Danksagung 110 XI. Eidesstattliche Erklärung – Anlage 1 und 2 111