Verkörpertes Erinnern: der Einfluss von Bewegung, Empathie und sensomotorischem Belohnungsempfinden auf das musikalische Tempogedächtnis
Verkörpertes Erinnern: der Einfluss von Bewegung, Empathie und sensomotorischem Belohnungsempfinden auf das musikalische Tempogedächtnis
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Original abstract
Zusammenfassung Die vorliegende Arbeit beleuchtet das musikalische Tempogedächtnis vor dem Hintergrund der verkörperten Kognition. Basierend auf empirischen Befunden zum positiven Einfluss von motorischer Beteiligung während der Abrufphase wurde in dieser Arbeit untersucht, ob der Grad der motorischen Beteiligung während der Enkodierungsphase einen graduellen Effekt auf die Temporeproduktionsgenauigkeit über vier Bedingungen aufweist: Stillsitzen, mentale Bewegungsvorstellung, Bewegung im Sitzen und Bewegung im Stehen. Zudem wurden zwei dispositionale Faktoren betrachtet: Empathie und sensomotorisches musikalisches Belohnungsempfinden. Zur Beantwortung der Forschungsfragen wurde ein Mixed-Methods-Design herangezogen. Es konnte kein signifikanter Zusammenhang zwischen dem Grad der motorischen Beteiligung und der Temporeproduktionsgenauigkeit festgestellt werden; Bewegung im Sitzen erwies sich jedoch als die effektivste Bedingung. Die Empathiedimension Perspective Taking (IRI) zeigte einen positiven, signifikanten Einfluss auf die Temporeproduktionsgenauigkeit. Ein signifikanter Moderationseffekt des sensomotorischen musikalischen Belohnungsempfindens (SMB) konnte nicht nachgewiesen werden. Explorative Analysen deuteten jedoch auf bessere Leistungen von Personen mit hoher SMB-Ausprägung in den beiden Bedingungen Bewegung im Sitzen und im Stehen hin. Ergänzend zeigte sich ein direkter positiver, signifikanter Zusammenhang zwischen SMB und der Temporeproduktionsgenauigkeit. Zukünftige Forschung könnte vokale Beteiligung einbeziehen und untersuchen, in welcher Phase motorische Beteiligung den größten Nutzen entfaltet: ausschließlich während der Enkodierungsphase, der Abrufphase oder während beider Phasen. Praktische Implikationen lassen sich für den musikpädagogischen Kontext und für die Unterstützung von Parkinson-bedingten Beschwerden ableiten. Abstract This thesis examines musical tempo memory within the framework of embodied cognition. Based on empirical evidence of the positive effects of motor engagement during the retrieval phase, the present study investigated whether the degree of motor engagement during the encoding phase exerts a gradual effect on tempo reproduction accuracy across four conditions: no movement, mental imagery of movement, seated movement, and standing movement. Additionally, two dispositional factors, empathy and sensorimotor musical reward sensitivity (SMRS), were examined. A mixed-methods design was employed to address the research questions. Although no significant relationship was found between the degree of motor engagement and tempo reproduction accuracy, seated movement emerged as the most effective condition. The IRI empathy dimension Perspective Taking showed a significant positive impact on tempo reproduction accuracy. No significant moderating effect of SMRS was found; however, additional exploratory analyses suggested that individuals with high SMRS scores performed significantly better in the seated and standing movement conditions. Furthermore, a direct positive relationship between SMRS and tempo reproduction accuracy was observed. Future research could include vocal participation as an additional condition and investigate during which phase motor engagement yields the greatest benefit: during the encoding phase, the retrieval phase or during both phases. These findings have practical implications for music education as well as for music therapy interventions that support individuals with Parkinson’s-related impairments.