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Psychopathologische Wirkungen des Phenothiazinderivates ?Largactil? (=?Megaphen?) im Selbstversuch und bei Kranken

Psychopathologische Wirkungen des Phenothiazinderivates ?Largactil? (=?Megaphen?) im Selbstversuch und bei Kranken

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1. Das Phenothiazinderivat Largactil wurde im Selbstversuch und bei einer weiteren gesunden Versuchsperson sowie bei 40 Kurpatienten auf seine subjektiven und objektiven psychopathologischen Wirkungen untersucht. Die Versuche bei Gesunden ahmten in Applikationsform und Dosierung die Kur an Psychotischen nach und wurden nach dem Abklingen der initialen Schlafphase bis in den Beginn des Dauerstadiums gefuhrt. 2. Unter den vegetativen Nebenwirkungen wird die Trockenheit der oberen Luftwege am storendsten empfunden. Sie komplizierte sich bei 8 Patienten und in beiden Selbstversuchen mit subjektiver Dyspnoe. 3. Von neurologischen Symptomen fanden wir in 8 Fallen Tremor und in 13 Fallen eine klossige Sprache. Die Sprachstorung steigerte sich im Versuch bei einer Gesunden bei langerem Sprechen bis zur Sprechunmoglichkeit. Im gleichen Versuch wurden auch choreiforme Koordinationsstorungen beobachtet. — Bei hoher Dosierung konnen vollstandige Parkinson-Bilder auftreten. 4. Der Schlaf gleicht auch wahrend der Initialphase in Einschlafbewegungen, Stellung, periodischem Lagewechsel, Weckbarkeit und Erlebnis dem Normalschlaf. Hierin besteht ein Unterschied zu den bisher gebrauchlichen Sedativa (Barbiturate, Scopolamin). 5. Derselbe Unterschied ausert sich auch im Wachzustand: Anzeichen einer Trubung des Bewuβtseins oder formale Veranderungen des Gedankenganges fehlen sowohl klinisch wie in Testversuchen. 6. Die Wirkung auf die Stimmung und das Antriebsleben besteht vor allem in einer Apathisierung. Bei gesunden Versuchspersonen kann es zum drastischen Personlichkeitsabbau mit Verlust von Interessen, Humor, affektiver Kontaktfahigkeit und Dezenz kommen. Die Verarmung der Affektivitat zeigt sich auch in den psychodiagnostischen Tests. 7. Ein Suchtiger und eine Neurotica erlebten im Gegensatz zu den beiden gesunden Versuchspersonen eine Euphorisierung. Im Zusammenhang damit mus die Frage der Suchtgefahr bei disponierten Individuen bejaht werden. 8. Bei 3 depressiven Psychosen beobachteten wir einen tiefgreifenden Stimmungsumschwung, der uber die Euphorisierung gewisser Nicht-Psychotischer oder gar die blose Apathisierung hinauszugehen schien. Wie bei anderen Behandlungsverfahren scheinen auch hier um so eingriefendere Umstimmungen moglich (aber nicht gewahrleistet), je starker die Ausgangsstimmung alteriert ist. 9. Die Form des Gedankenganges (z. B. manische Ideenflucht, schizophrene Zerfahrenheit) verhielt sich gegen die Therapie viel resistenter als die Stimmung (z. B. manische Betriebsamkeit oder schizophrene Wahnstimmung) — ebenfalls entsprechend den Erfahrungen bei andern korperlichen Behandlungsmethoden. 10. Bei 12 Wahn- und Halluzinosekranken trat eine auffallige innere Distanzierung vom weiterbestehenden psychotischen Erleben ein, vergleichbar derjenigen von Leukotomierten. 11. Sowohl bei der gesunden Versuchsperson wie bei 8 Patienten waren die Traume deutlich vermehrt und lebhafter, wahrscheinlich im Zusammenhang mit der geringeren Schlaftiefe tagsuber. Die Trauminhalte lassen uns das Weiterwirken der personlichen Problematik deutlicher erkennen als die gedampfte Stimmungslage des Wachzustandes. 12. Ein der gleichzeitigen umfassenden Apathie und Tragheit lastig widersprechendes triebhaftes Unrastgefuhl mit Bewegungsdrang trat sowohl im Selbstversuch wie bei 11 Patienten auf. 13. Die geschilderten Veranderungen der Stimmung und des Antriebslebens, die hauptsachlich in einer Dampfung (Apathisierung), zum Teil aber auch in einer paradoxen Anregung (Unrastgefuhl mit Bewegungsdrang) bestehen, werden zur Hauptsache als hirnlokales Psychosyndrom aufgefast. — Das Neuartige in der Wirkung des Medikamentes besteht in der raschen und reversiblen Erzeugung dieses Bildes, das uns bisher nur vom chronischen umschriebenen Hirnschaden sowie vom endokrinen Psychosyndrom gelaufig war. — Auch von der korperlichen Seite her weisen die extrapyramidalen Symptome auf eine hirnlokale Aktivitat des Stoffes. 14. Die Moglichkeit des Zusammenwirkens der Largactilkur mit der Arbeitstherapie und der Psychotherapie ist gegeben.

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